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Immobilien-Sektor überschreitet rote Linien

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  • Im Jahr 2020 legten die Zentralbank und das Ministerium für Bauwesen drei „rote Linien“ für den Immobiliensektor fest:
    • (1) Verschuldungsgrad < 70 Prozent,
    • (2) Nettoverschuldungsgrad < 1,0 und
    • (3) Verhältnis von liquiden Mitteln zu kurzfristigen Schulden > 1,0.
  • Unternehmen, die diese drei Ziele nicht erreichen, haben nur eingeschränkten Zugang zu Bankdarlehen.
  • Die drei „roten Linien“ haben zum Ziel, den Abbau von Fremdkapital im Immobiliensektor voranzutreiben. Dieses hat durch übermäßige Verschuldung und aggressive Expansion ohne ausreichende Rücksicht auf die finanzielle Gesundheit der Firmen ein gefährliches Risikoniveau erreicht.
  • Betrachtet man jedoch das Jahr 2022, so zeigt sich, dass die Maßnahmen nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht haben. Von den fünf umsatzstärksten chinesischen Immobilienunternehmen gelang es lediglich zweien, den Verschuldungsgrad auf unter 70 Prozent zu senken. Zwei andere, Evergrande und Sunac China, sahen sich aufgrund von Zahlungsausfällen gezwungen, einen Umschuldungsprozess einzuleiten.
  • Der Immobiliensektor befindet sich derzeit in einer existenziellen Krise, die durch die schwache Marktnachfrage durch den Wirtschaftsabschwung infolge der Corona-Pandemie und die finanzielle Instabilität des Sektors verursacht wurde. Gleichzeitig wird die Krise durch den übermäßigen Druck seitens der Regierung, den Schuldenberg abzubauen, noch verschärft.
  • Die Immobilienumsätze in China sind 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent zurückgegangen (Daten bis November 2022). Die Regierung versucht nun, ihre überzogene Politik zu korrigieren, indem sie die Kreditvergabe für Immobilienentwickler lockert – und damit im Grunde die „roten Linien“ aufhebt. Doch der Schaden für den Immobiliensektor und die chinesische Wirtschaft ist bereits angerichtet.
  • Das zeigt, wie schwierig die Umsetzung von Wirtschaftsreformen ist, selbst wenn diese eigentlich die richtigen Ziele verfolgen. Selbst Chinas Wirtschaftsplaner sind nicht immer in der Lage, rechtzeitig auf die Marktdynamik zu reagieren und die Entwicklung einzelner Branchen in die gewünschten Bahnen zu lenken.

Sinolytics ist ein europäisches Beratungs- und Analyseunternehmen, das sich auf China spezialisiert hat. Es berät europäische Unternehmen bei der strategischen Ausrichtung und den konkreten Geschäftsaktivitäten in der Volksrepublik.

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