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Wolfgang Hirn – Unstillbares China-Interesse

Wolfgang Hirn in China
Wolfgang Hirn in Shenzhen vor dem Denkmal von Deng Xiaoping.

Ungefähr zwanzigmal hat Wolfgang Hirn angefangen, Chinesisch zu lernen – und genauso oft wieder aufgehört. Der Journalist und Buchautor reist seit den 1980er-Jahren regelmäßig nach China und hat mittlerweile mehrere Bestseller über das Land und seinen Kontinent geschrieben. „Immer wieder nehme ich mir vor, diesmal am Ball zu bleiben, aber dann lasse ich das Chinesische doch wieder schleifen.“

Die Sprachbarriere scheint dem Arbeitseifer allerdings keinen Abbruch zu tun. Nach seiner Pensionierung beim manager magazin, für das er fast 35 Jahre in China und anderen Ländern unterwegs war, erschien 2020 sein aktuelles Buch „Shenzhen: Die Weltwirtschaft von morgen“. Im selben Jahr startete Hirn den kostenlosen Newsletter Chinahirn – ein privates und finanziell unabhängiges Projekt für alle, die mehr über das Land und seine Gesellschaft wissen wollen. In dem zweiwöchentlich erscheinenden Format ordnet er China-relevante Nachrichten ein, gibt Empfehlungen zu Büchern, Podcasts oder Veranstaltungen und widmet eine ganze Rubrik dem Essen und Reisen – zwei seiner Leidenschaften.

Schreiben gegen die Entfremdung

Die Idee zu Chinahirn trug Hirn schon länger mit sich herum, aber erst die Corona-Pandemie gab den entscheidenden Anstoß: „Ich saß und lag zu Hause herum und entschloss mich mangels Alternativen: So, jetzt fängst du mit dem Newsletter an.“ Er legte los und konnte nicht mehr aufhören, mittlerweile schreibt er fast täglich für das Format. Sein Antrieb: die Wissenslücken über China zu füllen. „China ist die zweite Weltmacht – und wir wissen wenig bis gar nichts über dieses Land und seine Menschen.“

Als Hirn 1986 für das manager magazin das erste Mal ins Land reiste, ging es ihm kaum anders. Es war „eine Reise in eine völlig andere Welt“, erinnert er sich. „Fahrräder beherrschten die Straßen, selbst Pferdefuhrzeuge sah man noch in Beijing“. Die einzigen Autos waren die roten VW Santanas als Taxis. „Für Ausländer gab es eine spezielle Währung, die sich wie Spielgeld anfühlte.“ Alles schien ihm so fremd, dass er unbedingt mehr wissen wollte. „Die Faszination für China ist seit meiner ersten Reise unverändert; die Kultur und lange Geschichte des Landes, die Freundlichkeit der Menschen – meistens zumindest -, dieser ehrgeizige Schaffenswillen und natürlich das Essen.“

Hirn blickt besorgt auf die zunehmende Entfremdung zwischen China und dem Westen, für die allerdings beide Seiten verantwortlich seien. Mit Chinahirn hofft er, zumindest einigen Menschen das Gefühl der Fremdheit zu nehmen – und zarte Gedanken für ein neues Buch werden auch schon gesponnen. „Natürlich über ein chinesisches Thema“, verrät Hirn. Svenja Napp

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