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Philipp Bilsky – Deutsche Stimme aus Taipeh

Philipp Bilsky ist Chef des chinesischsprachigen Service bei der Deutschen Welle.
Philipp Bilsky ist Chef des chinesischsprachigen Service bei der Deutschen Welle.

„Das Büro in Taipeh war ein wichtiger Schritt für unsere Redaktion“, sagt Philipp Bilsky. Er ist bei der Deutschen Welle verantwortlich für alles, was auf Chinesisch erscheint. Der 45-Jährige hat in Taipeh das erste Büro seiner Redaktion im chinesischsprachigen Raum aufgebaut. Dort hat er ab 2018 mehr als vier Jahre lang gearbeitet, inzwischen ist er zurück in Bonn. An der täglichen Arbeit habe sich aber kaum etwas geändert.

In Taipeh arbeiten aktuell fünf Journalistinnen und Journalisten für die Deutsche Welle. Ein Wettbewerbsvorteil, sagt Bilsky: „Die Deutsche Welle war der erste internationale Medienanbieter, der ein Büro in Taipeh eröffnet hat.“ Von dort aus berichten die Reporterinnen und Reporter auch auf Englisch, drehen Reportagen und Schalten ins Fernsehen, und betreuen die auf Chinesisch erscheinenden Online-Inhalte der Deutschen Welle.

Zensur für unabhängige Medien

Andere internationale Medien sitzen meist auf dem chinesischen Festland. „Das hat die Deutsche Welle ebenfalls jahrelang erfolglos versucht“, sagt Bilsky. Eine Genehmigung gab es nie. Die chinesische Berichterstattung kommt deshalb aus Taipeh und aus Deutschland, für Informationen aus Peking arbeitet die Deutsche Welle auch mit der ARD zusammen.

Die Deutsche Welle unterliegt in China der Zensur. Wer als Medienanbieter für ein chinesisches Publikum arbeiten wolle, der habe nur zwei Optionen. Entweder, man berichte nur im Sinne der chinesischen Regierung. „Oder Sie beugen sich der Zensur nicht und berichten journalistisch unabhängig – dann wird Ihre Webseite in China blockiert“, sagt Bilsky. „Dass wir uns vorschreiben lassen, was wir berichten und was nicht, das ist für die Deutsche Welle keine Option.“ Wegen der Zensur sei es schwierig, in China eine breite Masse zu erreichen. Wer die Seiten der Deutschen Welle aufrufen will, muss einen VPN-Tunnel benutzen. „Wer zu uns kommt, kennt uns häufig schon und weiß, wonach er sucht“, sagt Bilsky.

Kritik von allen Seiten

Außerdem sei es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, Interviewpartner zu kritischen Themen zu finden. „Falls sich doch jemand für ein Interview bereit erklärt, bekommen wir häufig nur Aussagen, die sich mit dem decken, was von Regierungsseite kommt“, sagt Bilsky.

In der Redaktion der Deutschen Welle arbeiten Menschen aus Taiwan, aus Hongkong und vom chinesischen Festland. Darauf legt Bilsky Wert. „Das ist extrem hilfreich für den Mix der Themenwahl.“

Kritik an den Inhalten komme immer von verschiedenen Seiten: „Für die einen sind wir anti-Chinesisch, für die anderen sind wir pro-Peking.“ Bilsky sieht das positiv. Die Deutsche Welle wolle Informationen zur Verfügung stellen, damit sich jede und jeder eine eigene Meinung bilden kann. „Wenn wir von beiden Seiten kritisiert werden, dann liegen wir wahrscheinlich ganz gut.“ Jana Hemmersmeier

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