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Johann Fuhrmann – „China hat ein ernsthaftes Interesse am Dialog“

Johann Fuhrmann ist Leiter des KAS-Auslandsbüros China in Peking.
Johann Fuhrmann ist Leiter des KAS-Auslandsbüros China in Peking.

„Es ist unsere Aufgabe, den politischen Dialog am Leben zu erhalten“, sagt Johann Fuhrmann über seine Arbeit in China. Seit Juli 2021 leitet der 38-Jährige das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in der chinesischen Hauptstadt. Anfang dieses Jahres konnte er einreisen und arbeitet seitdem wieder dauerhaft vor Ort in Peking.

Dort hält er vor allem Kontakt zu Universitäten und Thinktanks. Dabei geht es auch schon mal um Taiwan und das Südchinesische Meer. Tabuthemen gebe es eigentlich keine, sagt Fuhrmann. „In Hintergrundgesprächen werden die Dinge von chinesischer Seite viel differenzierter dargestellt.“ Ihm ist es deshalb wichtig, in China vor Ort zu sein.

Seine Erfahrung zeigte ihm: China sei offen für den Austausch. Das habe ihn positiv überrascht, sagt Fuhrmann. „Ich glaube wirklich, dass in China ein ernsthaftes Interesse am Dialog mit Deutschland und Europa besteht.“

Karriere entlang der Transsibirischen Eisenbahn

Von klassischer Stiftungs- oder Bildungsarbeit kann in China allerdings keine Rede sein. NGOs und Stiftungen müssen seit 2017 mit einer chinesischen Partnerorganisation zusammenarbeiten, damit sie überhaupt aktiv sein dürfen.

Johann Fuhrmann kennt das auch ganz anders. Vor seiner Zeit in China leitete er das KAS-Büro in der Mongolei. Es reizt ihn, immer wieder an neuen Orten zu arbeiten: Fuhrmann studierte in London und wurde später Trainee für die KAS in Moskau. „Die Karriere entlang der Transsibirischen Eisenbahn war so aber nicht geplant“, sagt er.

In der Mongolei geht es der KAS um „Demokratieförderung im ganz klassischen Sinne.“ Die Stiftung hat dort unter anderem den Studiengang „Journalismus und Politik“ aufgebaut. „Am Ende war ich beim Staatspräsidenten zum Mittagessen eingeladen“, sagt Fuhrmann. Das wird ihm in China wohl nicht so schnell passieren.

Chinesische Entwicklungspolitik

Dafür bleibt mehr Zeit für Forschung. Die KAS veröffentlicht in China beispielsweise den „Monitor Entwicklungspolitik“ – eine Publikationsreihe, die sich der Rolle nicht-traditioneller Geberländer in der Entwicklungszusammenarbeit widmet. China macht den USA demnach in Sachen globaler Entwicklungsförderung durchaus Konkurrenz.

Dafür hat Peking unter anderem die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) aufgebaut. „Für China ist das ein Instrument, um sich als ernsthafter und verantwortungsvoller Akteur in der Welt zu etablieren“, sagt Fuhrmann.

Dazu gehören auch chinesische Investments in Europa, wie ein Kredit an den ungarischen Staat. Darin sieht Fuhrmann den Versuch, europäische Institutionen gegeneinander auszuspielen – um ernst genommen zu werden, müsse Europa mehr „mit einer Stimme sprechen“. Jana Hemmersmeier

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