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Peng Liyuan – Chinas pflichtbewusste First Lady

Peng Liyuan, Chinas First Lady, hier in ihrer Rolle als Botschafterin der Unesco für bessere Bildung für Frauen und Mädchen
Peng Liyuan, Chinas First Lady, hier in ihrer Rolle als Botschafterin der Unesco für bessere Bildung für Frauen und Mädchen

Als Xi Jinping 2013 an die Macht kam, war er für viele Chinesen zunächst der „Mann von Peng Liyuan“. Denn Peng war in China schon ein Star, als Xi noch in den Provinzen die Karriereleiter hochkletterte. „Ihr Gesang ist in allen Städten und Dörfern des Vaterlandes verbreitet, ihre Kunst tief in den Massen verwurzelt“, schwärmte die Nachrichtenagentur Xinhua in einer Ode an die 59-jährige Sopranistin. Pengs Spezialgebiet waren lange Zeit so genannte Rote Volkslieder – sozialistische Texte mit traditionellen Melodien. Diese gab sie gern auch bei Militär-Veranstaltungen zum Besten. Nach der Niederschlagung der Studentenbewegung auf dem Tiananmen-Platz 1989 sang sie in Uniform für die „siegreichen“ Soldaten. Politisch stand sie immer klar an der Seite der Partei.

Umso mehr Macht allerdings ihr Ehemann an sich riss, umso weniger stand Peng als Sängerin im Rampenlicht. Ihre Bestimmung war fortan, sich in der Rolle der First Lady einzurichten. Aber auch das ist etwas Neues: Die Gattinnen von Xis Vorgängern traten praktisch nie öffentlich in Erscheinung. Erst mit Peng hat China wirklich eine Präsidentengattin, die ihren Mann auch auf vielen Reisen ins Ausland begleitete.

Peng Liyuan: Vier Tage nach Hochzeit auf Tournee

Peng Liyuan stammt aus einfachen Verhältnissen. 1962 kam sie in der ostchinesischen Provinz Shandong zur Welt. Ihre Eltern, eine Theaterschauspielerin und ein Museumskurator, förderten ihr künstlerisches Talent. Schon mit 14 Jahren besuchte Peng eine Kunstschule. Mit 18 wurde sie Sopranistin im Gesangs- und Tanzensemble der Volksbefreiungsarmee, dessen Leitung sie im Laufe der Jahre übernahm. Zum landesweit bekannten Star wurde sie in der ersten Ausgabe der bis heute populären CCTV-TV-Gala Anfang der 1980erJahre, wo sie das rote Volkslied „在希望的田野上“ („Auf dem Feld der Hoffnung“) schmetterte. Ab da trat sie fast jährlich bei der Gala auf, die sich gemessen an der Zuschauerzahl von über einer Milliarde Menschen zum größten TV-Event der Welt entwickelte.

Ihren Mann lernte Peng in dieser Zeit kennen. Xi soll einmal gesagt haben, er habe während ihres ersten Treffens schon nach 40 Minuten gewusst, dass sie seine Frau werden würde. Und Peng erinnerte sich später in einem Interview, dass sie bei einem ihrer ersten Treffen eine zerbeulte Hose angezogen habe, um wegen ihrer Intelligenz und nicht wegen ihres Aussehens Eindruck auf Xi zu machen. 1987 heiratete das Paar in Xiamen in der Provinz Fujian, wo Xi damals Vizebürgermeister war. Vor allem Freunde und Kollegen waren bei der kleinen Feier anwesend. Es war die zweite Ehe von Xi Jinping. Die erste war 1982 nach nur drei Jahren gescheitert – angeblich, weil Xi mit seiner damaligen Frau Ke Lingling nicht nach Großbritannien ziehen wollte.

Nur vier Tage nach der Hochzeit brach Peng Liyuan zu einer Tournee nach Nordamerika auf. Xi sagte einmal, seine Frau und er würden selbst dann zusammenarbeiten, wenn sie räumlich getrennt sind. 1992 kam die gemeinsame Tochter Mingze zur Welt, die bis heute konsequent von der Öffentlichkeit abgeschirmt wird.

Soft Power fürs Protokoll

Ihren letzten großen Auftritt als Sängerin hatte Peng im Frühjahr 2008 in der Wiener Staatsoper, wo sie die Hauptrolle im um die Welt tourenden Musical „Mulan“ spielte. Wenige Wochen zuvor war Xi zum Vizepräsidenten der Volksrepublik China ernannt worden und damit zum potenzieller Nachfolger von Staatspräsident Hu Jintao geworden. Von da an folgte Peng statt ihrer Sängerinnenkarriere strikt dem Protokoll. Offizielle Posten, die sie seitdem bekleidete, waren Botschafterin im Kampf gegen Tuberkulose und HIV/AIDS für die Weltgesundheitsorganisation sowie Sonderbotschafterin der Unesco für das Recht auf Bildung für Mädchen und Frauen.

Als Vertreterin chinesischer „Soft Power“ besucht sie regelmäßig First Ladys anderer Länder, um über gemeinsame Hilfsprojekte zu sprechen. Dabei erregen ihre Outfits in der Presse oft mehr Aufsehen als ihre Botschaften. Peng trägt ausschließlich „Made In China“ ihrer Hausdesignerin Ma Ke. Peng erfüllt mit Bravour, was man heute von einer First Lady erwartet. In ihrer Heimat verkörpert sie die starke Ehefrau, die Familie und Karriere unter einen Hut kriegt und ihrem Mann den Rücken freihält.

Pengs Popularität in der Armee dürfte derweil dazu beigetragen haben, dass Xi es leichter hatte, ab 2010 in die zentrale Führung der Armee aufzusteigen. Sie selbst hält einen zivilen Rang vergleichbar dem eines Generalmajors und war Mitglied der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes. Echte politische Macht hat sie jenseits ihrer Ehe mit Chinas starkem Mann jedoch nicht.

Im Jahr 2022 überstrahlt Pengs Ruhm längst nicht mehr den von Xi. Vielleicht auch weil seit Mao Zedongs verfemter Ehefrau Jiang Qing die Sorge der Partei vor überambitionierten Ehefrauen ihrer Granden groß ist, bleiben ihre Ambitionen aufs Protokoll einer First Lady beschränkt. Jiang Qing, Schauspielerin und Regisseurin der berüchtigten „Roten Opern“, war nach dem Tod Maos 1976 als Mitglied der radikalen „Viererbande“ für die Gräuel der Kulturrevolution verantwortlich gemacht und zum Tod auf Bewährung verurteilt worden. 1991 nahm sie sich im Gefängnis das Leben. Wie schnell die politische Wetterlage umschlagen kann, wissen Peng und Xi übrigens gleichermaßen: Pengs Vater Peng Longkun landete ebenso wie Xi Jinpings Vater Xi Zhongxun während der Kulturrevolution wegen „konterrevolutionärer Umtriebe“ im Umerziehungslager. Fabian Peltsch

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