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Robin Mallick — Kulturpflege in schwierigen Zeiten

Robin Mallick ist neuer Leiter des Goethe-Instituts in Peking.
Robin Mallick ist neuer Leiter des Goethe-Instituts in Peking.

Robin Mallick ist noch ganz neu in Peking, doch er hat schon seine Laufstrecke gefunden: „Ich bin sehr positiv überrascht, wie grün Peking ist. Und ich bin begeistert vom Chaoyang-Park, in dem ich jeden Morgen joggen gehe.“ Immer wieder entdecke er dort neue Ecken. „Und ab und zu verlaufe ich mich auch mal, weil er so weitläufig und vielfältig ist.“

Da Mallick zuvor nur einmal in Shanghai war, ist nicht nur Peking Neuland für ihn, sondern auch China insgesamt. „Das Alltagsleben ist in vielen Bereichen viel einfacher und unkomplizierter als etwa in Deutschland – wenn man die Spielregeln kennt und wenn man über die Ausrüstung, also Telefon, Apps und alle möglichen Daten verfügt“, stellt er fest.

Mallick ist daran gewöhnt, sich in neue Kontexte einzuleben und sich mit den Abläufen und Gepflogenheiten eines anderen Landes auseinanderzusetzen: Seit er 2009 den Vertrag mit dem Goethe-Institut unterschrieben hat, war er mehrere Jahre in Neu-Delhi und danach in Rio tätig. Zuvor hatte er in Passau den interdisziplinären Studiengang Sprachen-, Wirtschafts- und Kulturraumstudien absolviert und danach elf Jahre lang das Filmfest Dresden verantwortet.

Mit dem Fahrrad durch Peking

Um Peking besser kennenzulernen, erkundet der Neuankömmling die Stadt in jeder freien Minute mit dem Fahrrad. Knapp eine Stunde benötigt er für die 20 Kilometer, die zwischen den beiden Dependancen des Goethe-Instituts liegen: Am dritten Ring befindet sich die Sprachschule, in der Unterricht gegeben wird und Prüfungen abgenommen werden. Das zweite Gebäude liegt in dem Kunstdistrikt 798, der früher ein Industrieviertel war – und in dem heute vor allem Kulturveranstaltungen stattfinden. „Ich finde, beides macht als Einheit eigentlich gut das aus, was ein Kulturinstitut machen kann.“

Das Goethe-Institut China in Peking existiert seit 1988 und ist aus einer Vereinbarung zwischen dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl und Chinas damaligem Spitzenpolitiker Deng Xiaoping entstanden. Von hier aus wird mit Partnern in ganz China zusammengearbeitet, etwa mit Sprachlernzentren, Bibliotheken und anderen Kultureinrichtungen. Chinesische Künstler konnten im Rahmen von Goethe-Veranstaltungen in der Vergangenheit oftmals freier agieren als an anderen öffentlichen Ausstellungsorten Chinas.

Auch im Fremdsprachen- und Kulturbereich sind allerdings die Auswirkungen der Pandemie deutlich spürbar: Die Zahl derjenigen, die Deutsch lernen wollen, um ein Studium oder ein Studienjahr in Deutschland zu verbringen, ging eine Zeit lang merklich zurück.

Beeindruckt vom Mut der Protestierenden

Kulturveranstaltungen müssten verstärkt auf Online- und Hybridformate ausweichen, da aktuell keine Kulturschaffenden aus Deutschland eingeladen werden können. Im Sprachunterricht existieren Präsenz- neben Onlinekursen sowie Blended-LearningEinheiten.

„Es ist enorm wichtig, dass das Goethe-Institut weiterhin über geschützte Räume für den freien Meinungsaustausch von Kulturschaffenden und mit der Zivilgesellschaft sowie für zensurfreie Programme verfügt“, sagt Mallick und fügt hinzu: „Das zeigt sich auch an den Diskussionen über die teils exzessiven Pandemie-Restriktionen und die Aktionen von Protestierenden, deren Mut mich sehr bewegt.“

Es gebe aber auch positive Effekte der Pandemie: Das Institut habe durch das Online-Format eine deutlich größere Reichweite als zuvor. Daher könnten nun Sprach- und Kulturbegeisterte aus ganz China, auch aus den abgelegenen Provinzen, Gebrauch von den Angeboten der Institution machen. Nichtsdestotrotz hofft Mallick natürlich insbesondere in Peking auf baldige Lockerungen der strikten Maßnahmen im Umgang mit der Pandemie. Juliane Scholübbers

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