Lehrermangel: Bayern schränkt Unterrichtsangebot ein

In Bayern tritt nun ein, wovor bereits seit einiger Zeit Furcht herrscht: Lehrermangel. Wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres reduzieren die Schulen Unterricht und Lehrangebot. Förderstunden sollen selbst in den Grundschulen für benachteiligte Schüler nicht mehr angeboten werden. Die Klassenleiter erteilen den Werkunterricht – damit dies nicht Fachlehrer tun müssen. Reihenweise werden Studierende und Pensionäre in die Klassenzimmer gerufen. Das berichtet Simone Fleischmann, die Präsidentin des BLLV. In einem Regierungsbezirk hätten 200 dorthin versetzte Lehrkräfte ihren Dienst nicht angetreten. „Die Situation ist wie in einem Streich-Konzert„, sagte Fleischmann. „Der Kultusminister hat zu Ferienbeginn einen Instrumentenkasten zur Verfügung gestellt, was alles zu streichen ist.“

Fleischmann sagte, es gehe noch nicht um ein flächendeckendes Problem. Gleichwohl gäbe es bestimmte Schulformen und Gegenden, in denen nur noch ein so genanntes Kernangebot an Fächern zu finden sei. Davon seien insbesondere Grundschulen und Mittelschulen (die früheren Hauptschulen) betroffen. „Bayern muss, wie andere Länder auch, die Unterrichtsversorgung zur Chefsache machen“, sagte Fleischmann. In einem Regierungsbezirk Bayerns habe bereits nach wenigen Tagen 80 Prozent der mobilen Reserve von Lehrkräften in den Unterricht gemusst. „Nur noch 40 Prozent der Lehrerschaft sind in manchen Schulen ausgebildete Profis„, sagte Fleischmann. Wenn Bayern seinem Anspruch als führendes Bildungsland in Zeiten des Lehrermangels halten wolle, müsse die Staatsregierung jetzt handeln.

Warnungen vor Lehrermangel stets „ungehört verhallt“

Bereits im Juli berichtete Bildung.Table über interne Anweisungen an Schulämter, bei Unterricht, Förderkursen und AGs zu kürzen („Die Mittelschule strauchelt„). „Solche Einschnitte haben Einfluss auf ganze Bildungsbiografien„, kritisiert nun die Landesvorsitzende der GEW Martina Borgendale. Warnende Worte der Bildungsverbände seien in den vergangenen Jahren „stets ungehört verhallt„.

Bis heute fehle der politische Wille, den Einstellungskorridor zu vergrößern und präventiv mehr Lehrer einzustellen. Das geht auch über die „Deckung des absoluten Basisbedarfes“ hinaus. Trotz akuter Personalnot an Grund-, Mittel- und Förderschulen seien an Gymnasien von 1800 Bewerbern bis August nur 1200 eingestellt worden. „600 voll ausgebildete Gymnasiallehrkräfte stehen auf der Warteliste“, schreibt die GEW. Das sei fatal. Die Staatsregierung müsse allen Bewerbern sofort ein Angebot machen, um den problematischen „Zyklus aus Mangel und Überschuss“ zu durchbrechen. Spätestens ab den Schuljahr 2025/2026, wenn das G9 in Bayern zurückkehrt, werde auch an den Gymnasien der Personalbedarf schlagartig steigen. Das weiß auch der Kultusminister. Christian Füller/Moritz Baumann

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