Eltern fordern Luftfilter bundesweit

Das „Bundesweite Bündnis für Luftfilter“ (BBL), ein Zusammenschluss mehrerer Initiativen, kritisiert die Beschlüsse der Kultusminister von Potsdam scharf. Das Bündnis fordert einen Bildungsgipfel mit Bund, Ländern und Kommunen, der ein „realistisches Konzept für Pandemiesicherheit“ beschließen soll. Dazu gehöre unbedingt auch der flächendeckende Einsatz von Luftfiltern in Schulen und Kitas. Die Situation des Kyffhäuserkreis in Thüringen scheint ihnen recht zu geben. Dort gehen die Inzidenzen durch die Decke.

Das Bündnis gründete sich vergangene Woche und setzt sich aus mehreren Gruppierungen zusammen: die Initiativen „Bildungsgerechtigkeit und Gesundheitsschutz in der Pandemie„, #ProtectTheKids und „Luftfilter in alle Klassenzimmer“; die Elterninitiativen Raumluftfilter NRW und Sichere Schule MTK; der Regionalelternbeirat Trier. Gemeinsam hat das Bündnis laut eigenen Angaben knapp 107.000 Unterschriften gesammelt. Neben Eltern und Lehrkräften vertritt das BBL auch andere Professionen, die Bildungsarbeit leisten.

Sorglose Rückkehr in den Präsenzunterricht

Ende September trafen sich Vertreter jetziger BBL-Mitglieder mit KMK-Generalsekretär Udo Michallik (CDU), überreichten Unterschriften – und bekamen die Zusicherung, das Thema Luftfilter stehe bei der KMK-Tagung auf der Agenda. Bereits im Sommer hatten Initiativen mit dem Sammeln von Unterschriften begonnen. Die sorglose Rückkehr vom digital gestützten Fernunterricht in die Präsenz hat einen Teil der Eltern aufgebracht. Getan habe sich seitdem wenig, beklagt die Initiative. Stefan Hemler, Organisator und Lehrer, sagte Bildung.Table: „Es ist ein bedauerlicher Zustand, wie die KMK mit Covid-19 umgeht. Das entspricht dem allgemeinen Narrativ, dass Covid für Kinder ungefährlich wäre. Wir vertreten die Ansicht, dass es wichtig ist, Neuinfektionen zu verhindern.“ Angesichts der Spätfolgen und den, wenn auch seltenen, schweren Verläufen bei Kindern eine Sorge, die viele Eltern teilen.

Wie ein Beleg für die These, die Kultusminister behandelten das Thema Corona nicht angemessen, wirkt die Situation in Thüringen. Im Kyffhäuserkreis liegt die Inzidenz der 10- bis 19-Jährigen derzeit bei über 1000. Kreisdirektor Ulrich Thiele berichtet von drei Superspreader-Ereignissen, die alle von Kindern in Schulen oder außerhalb von Schulen begannen – und sich dann über die Klassen weiter verbreiteten. Im Kyffhäuserkreis gab es an Schulen zeitweise weder Test- noch Maskenpflicht und es sind nur wenige Schulkinder geimpft – ein Viertel der 12- bis 17-Jährigen in Thüringen, das auch bei den Erwachsenen nur eine 50-Prozent-Impfquote erreicht. Im betroffenen Kreis, wo Schüler:innen die Infektionen in zahlreiche Haushalte trugen, wurde an den Schulen nun wieder eine Maskenpflicht eingeführt. Von Luftfiltern ist dort keine Rede – genauso wenig, wie im Beschluss der letzten KMK. Robert Saar

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