Easy-Tutor bekommt 4,8 Millionen Euro

Online-Nachhilfe bleibt dank des Lehrermangels ein lukrativer Markt. Der seit 2017 existierende Anbieter Easy-Tutor hat trotz harter Konkurrenz fast fünf Millionen Euro Investitionen bekommen. Zuletzt hatte der europäische Riese GoStudent den deutschen Marktführer Studienkreis übernommen. Die Gründer von Easy-Tutor, Massimo Cancellara und Jessica Contento, wollen dennoch „in den kommenden Jahren europaweit zur Anlaufstelle Nummer Eins für Schüler:innen, Eltern und Schulen werden.“ Das ist ein hoher Anspruch angesichts des milliardeschweren Konkurrenten GoStudent. Wichtig ist daher der Nachsatz: „Wenn es um qualitativ hochwertige, digitale schulbegleitende Nachhilfe geht.“

Das frische Geld von Bayern Kapital, der Venture-Capital-Gesellschaft des Freistaats, und dem Finanzverwalter „K+K1“ soll in den Ausbau der Plattform und digitale Diagnoseinstrumente fließen. Easy-Tutor nimmt für sich in Anspruch, neben Video-Sessions eine Plattform in der Cloud zu betreiben. Das mache es möglich, die Lerngeschichten der Schüler an Nachhilfe-Lehrer weiterzugeben. „Nach unserer Auffassung hat ein hybrides Modell zwei Standbeine, die Schule und die Online-Ergänzung durch unsere ausgesuchten Tutor:innen“, sagte Cancellara in Anspielung auf die neuerdings gemischten Online-/Präsenz-Angebote der Konkurrenten. Easy-Tutor ist mit rund 130 Euro pro Monat der Rolls-Royce unter den Nachhelfern.

Online-Nachhilfe für Bundesliga-Nachwuchs

Easy-Tutor hat Kooperationen mit einer ganzen Reihe von Bundesliga-Vereinen und ihren Nachwuchszentren. Dort stellt Easy-Tutor den Fußball-Talenten Online-Unterricht zwischen den Trainingseinheiten bereit. Zu den Kunden zählen unter anderen Borussia Mönchengladbach, der FC Bayern und Eintracht Frankfurt. Zudem hat Easy-Tutor 200 Kooperationsschulen, zu denen laut den Gründern verlässliche Beziehungen bestehen. Das bedeutet, dass die Schulleitung beziehungsweise die pädagogischen Beauftragten aus einem Pool an Nachhilfe-Stunden Lektionen an Schüler vergeben können. Erst im zweiten Schritt buchen dann die Eltern die Stunden. 

„Wir können die Schulen sehr stark unterstützen“, sagte Cancellara. „Und wir treiben dabei die Digitalisierung in den Schulen mit voran.“ Easy-Tutor sei häufig das digitale Standbein der Schulen. Bei Easy-Tutor holen nach Angaben der Gründer 12.000 Schüler Lektionen nach. Der nächste Schritt soll die Entwicklung eines eigenen Diagnosetools sein, das es möglich macht, die Lernstände der Nachhilfeschüler einfach und zielsicher zu erheben. „Allerdings reicht nicht der Röntgenblick alleine, man braucht dann auch gute Lehrer, um die erkannten Defizite auszugleichen und Stärken gezielt zu fördern“, sagte Jessica Contento. Christian Füller

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