Digitales so wichtig wie Lesen und Schreiben

Man sieht eine Grafik des Bildungsbarometer 2021: Digitales so wichtig wie Lesen und Schreiben
Digital- und Medienkompetenzen auf Platz 2

Die Pandemie hat offenbar die Einstellung der Menschen in Deutschland zum digitalen Lernen grundlegend verändert. Im neuesten Bildungsbarometer geben 4.032 Befragte an, dass ihnen die Vermittlung digitaler Kompetenzen so wichtig ist wie Lesen und Schreiben. 93 Prozent sagten, dass Lese- und Schreibkompetenzen sehr oder eher wichtig seien. Bei digitalen und Medienkompetenzen liegt der Zustimmungswert bei 88 Prozent. Der Bildungsbarometer 2021 wird heute vom Ifo-Institut in München vorgestellt und liegt Bildung.Table bereits vor. 

Die Bürger haben inzwischen einen differenzierten Blick auf einzelne Varianten von digitaler und Medienbildung. So sind 77 Prozent der Umfrageteilnehmer dafür, dass ab sofort digitale Endgeräte wie Tablets oder Computer verpflichtend in der Schule benutzt werden – ganz unabhängig von Pandemie oder Lockdown. Fast genauso viele Befragten (74 %) befürworten, dass auch Video-Formate und Lernplattformen zum Lernen genutzt werden sollten. Kurz vor Ausbruch der Pandemie im Jahr 2019 hatten Eltern noch zu 70 Prozent gegen den integralen Einsatz von digitalen Lernwerkzeugen im Unterricht votiert.

Digitales so wichtig wie Lesen und Schreiben
Differenzierter Blick auf digitale Medien und Methoden

Im Bildungsbarometer fordern die Bürger nun, dass Lehrer auch Online-Sprechstunden für Eltern und Schüler anbieten sollten. Selbst hybride Formate, in denen die Schüler entweder in Präsenz oder online am Unterricht teilnehmen können, befürwortet mehr als die Hälfte der 4.000 befragten Bürger. „Insgesamt begreift also eine deutliche Mehrheit der Deutschen die Coronakrise als Chance, die Schulen in Deutschland dauerhaft digitaler zu machen“, schreiben die Autor:innen der Studie um Ludger Wößmann.

In Krisen zentral über Bildung entscheiden

Insgesamt bewerten die Befragten die Corona-Schulpolitik der Bundesländer als schlecht. Zwei Drittel fordern, in Ausnahmesituationen wie der Corona-Krise den Bildungsföderalismus auszusetzen und zentral über Schulfragen zu entscheiden. 41 Prozent benoten den bildungspolitischen Umgang mit den Schüler:innen in der Pandemie mit einer vier, fünf oder sechs. Das geht in Richtung der Ergebnisse einer Studie, die das Kölner Institut der Wirtschaft jüngst herausgegeben hat. Sie zeigte, dass in 15 von 16 Bundesländern die Eltern mehrheitlich unzufrieden mit der Schulpolitik sind.

Ein beachtenswertes Ergebnis haben die Forscher des Münchner ifo-Zentrums für Bildungsökonomik in Sachen politische Bildung herausgefunden. Acht von zehn Befragten befürworten danach, in den Gymnasien und anderen weiterführenden Schulen demokratische Kompetenzen zu vermitteln. In den Grundschulen sprechen sich 76 Prozent dafür aus. Dazu zählen vor allem die Vermittlung von Wissen über politische Systeme und demokratische Grundprinzipien sowie Toleranz gegenüber anderen Meinungen. 

Eine ausführliche Analyse der gesamten Studie können Sie ab morgen früh im Entscheider:innen-Briefing für Bildung in einer digitalen Welt lesen. 

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