Tutory: Digitale Arbeitsblätter erstellen und teilen

Welchen pädagogischen Vorteil hat es, den Generator für analoge und – jetzt – digitale Arbeitsblätter Tutory einzusetzen? 

Der Vorteil sehe ich darin, dass die Möglichkeiten für die Lehrpersonen vielfältiger geworden sind. Früher druckten Lehrer:innen Arbeitsblätter nur in der analogen Version aus und teilten sie an die Schüler aus. Jetzt können sie die Inhalte digital in das Lernmanagementsystem der Schule einpflegen. Das von Lehrpersonen erstellte digitale Arbeitsblatt von Tutory lädt nun dazu ein, in digitalen Umgebungen zu arbeiten. Sich also zu vernetzen, kollaborativ an einem Arbeitsblatt zu arbeiten und es als Open Education Resources einzusetzen, um es wieder und wieder als Lehrkraft zu teilen. Das erhöht zugleich das Anforderungsprofil an Lehrkräfte. Sie müssen sich nun genauer überlegen, wie sie das Arbeitsblatt handhaben.

Welche technischen Voraussetzungen braucht man?

Die technischen Voraussetzungen sind zurzeit das größte Hindernis. Viele Schulen, die ich in der letzten Zeit besuchen durfte, haben noch mit der technischen Ausstattung zu kämpfen. Solange es etwa kein verbindliches Lernmanagementsystem (LMS) an der Schule gibt, bleiben die Potenziale des digitalen Tutory-Arbeitsblattes unerschlossen. Das LMS allein nutzt auch noch nicht. Lehrkräfte sollten es im Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern einsetzen können – und zur kollegialen Beratung untereinander. Das A und O wäre also, den Digitalpakt endlich umzusetzen, damit die Schulen selbstverständlich digital arbeiten können.

Ist Tutory auch in der Präsenz sinnvoll einsetzbar? 

Ja, das Tool lässt sich sowohl in Präsenz als auch in Distanz nutzen. Gerade jetzt, mit der Erweiterung zur digitalen Version, sind die Einsatzmöglichkeiten ja viel größer geworden. Momentan verstehen wir unter Präsenz den mittlerweile weitgehend überholten Frontalunterricht, also 45 Minuten, dominiert von der Lehrperson. Präsenzunterricht sollte aber in Zeiten der Kultur der Digitalität ganz anders gestaltet sein: freier, offener, projektorientierter. Insofern ist in einem solchen Projektunterricht die digitale Variante ein Mehrwert für die Schülerinnen und Schüler wie für die Lehrkräfte.

Pro-Tipp

Das Tool bietet eine große Bandbreite von Bearbeitungsmöglichkeiten. Ich kann meine Arbeitsblätter immer wieder neu zusammenstellen, verändern, anpassen an Veränderungen, die in jedem Schuljahr wieder neu auf uns warten. Hinzu kommt, dass die Macher von Tutory mit ihren Arbeitsblättern den Gedanken der Open Educational Ressources (OER)  unterstützen. Das bedeutet, wir können die Arbeitsmaterialien für alle zur Verfügung stellen.

Viele Lehrkräfte fühlten sich bisher abgehalten, OER zu produzieren und zu nutzen, weil sie sich nicht an die kompliziert wirkende Lizenzierung getraut haben. Das hat Tutory so gestaltet, dass es wirklich sehr leicht ist, innerhalb des Systems Content zu generieren und dabei Links zu erstellen. Ein großer Fortschritt. 

Kritik

Vordergründig könnte man das klassische Arbeitsblatt von vor 20 Jahren kritisieren, weil es nicht mehr das richtige Tool für die Digitalität ist. Aber die Digitalität ist ja bekanntlich für das Bildungswesen noch eine Vision. Das heißt, wir brauchen Tools, die den Schulen schrittweise helfen, sich weiterzuentwickeln und dabei den Lehrkräften zu zeigen, wie sie dort hinkommen. Lehrende sollen nicht bei einem Arbeitsblatt stehen bleiben, das die Schüler nur ausfüllen – und das war’s dann. Mit den digital einsetzbaren Arbeitsblättern wird der Gedanke der Vernetzung aktuell. Meine Kritik richtet sich also nicht eigentlich an das Tool, sondern eher an die Bedienenden. Die Lehrpersonen sind es, die sich jetzt damit vertraut machen können, in solchen Strukturen zu arbeiten und sich zu vernetzen. 

Ines Bieler ist Gymnasiallehrerin und ans Zentrum für Lehrerbildung der Universität Halle-Wittenberg abgeordnet, um die Lehrerfortbildung in Sachsen-Anhalt digitaler zu machen. Sie arbeitet mit in BMBF Projekt Digital-Kompetent im Lehramt, kurz Dikola.

Mehr zum Thema

    ChatGPT erledigt Hausaufgaben in Sekunden
    Die per Chatbot überall verfügbare Künstliche Intelligenz „ChatGPT“ verändert Schule. Drei Fragen an die Lehrerfortbilderin Regina Schulz, welche Aufgaben für Schülerinnen und Schüler nun noch sinnvoll sind.  weiterlesen →
    Bild von Füller Christian
    von Christian Füller
    Lernraum Berlin: Digitale Schule voranbringen – und Probleme überwinden
    Lernraum Berlin ist das Tool des Berliner Kultusministeriums, um digitale Schule möglich zu machen. Trotz hoher Nutzerzahlen hagelte es Kritik – Datenschutzprobleme, Störungen und Ausfälle sind der Grund. Berlin jedoch glaubt an die Lernplattform und baut sie aus. weiterlesen →
    Bild von Schlung Anouk Melina
    von Anouk Melina Schlung