Biberkor: Referendariat für zeitgemäße Bildung

Frau Nieß, was ist der pädagogische Vorteil des neuen Biberkor-Referendariats für zeitgemäße Bildung?

Es geht ganz grundlegend darum, dass wir den Status Quo der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Gelingen von Lernprozessen auch in der Schule umsetzen, die Kinder und Jugendliche ja auf „das Leben“ vorbereiten muss. Wir leben in einer digitalisierten und globalisierten Gesellschaft – darauf müssen wir natürlich auch im Referendariat in Biberkor pädagogisch reagieren. Wir brauchen also eine entsprechende pädagogische Haltung und einen Fokus auf die richtigen Kompetenzfelder. Zum Beispiel die 4K, also Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken. Aber auch Eigenverantwortlichkeit und die Wertschätzung individueller Lernprozesse. Damit Lehrkräfte Schülerinnen und Schüler darauf vorbereiten können, müssen sie erst einmal selbst so ausgebildet werden. Das ist die Idee.

Welche technischen Voraussetzungen braucht man? 

Es sind gar nicht so sehr die technischen Voraussetzungen, die Schulen brauchen. Sie sollten eher die gesamte Struktur des neuen Lernens im Blick haben. Schulen, die bei uns Ausbildungsschule sind, bieten den Raum für neue Bildungsansätze. Das heißt, sie haben die grundlegende Flexibilität und Offenheit, um Neues umsetzen zu können. Die Alemannenschule in Wutöschingen, die Universitätsschule in Dresden oder auch die Montessori-Oberschule in Potsdam – alles Schulen, an denen wir Seminartage verbringen – sind solche Beispiele. Sie haben erkannt, wie neues Lernen funktioniert und klare Strukturen dafür geschaffen. Dazu gehört auch digitale Bildung wie in Dresden oder Wutöschingen, aber entscheidend ist die Haltung in diesen Schulen. 

Hilft eine Ausbildung im neuen Referendariat auch für den Präsenzunterricht, wenn die Pandemie vorbei ist? 

Das neue Referendariat ist nicht als Reaktion auf die Corona-Pandemie entwickelt worden. Es ist schon viel länger sichtbar, dass die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern nicht mehr zeitgemäß ist. Die Pandemie hat das nur noch einmal schärfer aufgezeigt. Das gilt nicht nur für die Entwicklung im digitalen Bereich. Es geht um die Frage, was selbstorganisiertes Lernen kann. Es geht darum, wie Leistungsbeurteilung funktioniert, wenn es nicht mehr ausschließlich die Instanz von oben ist, die Lernende beurteilt. Gleichzeitig sehen wir, dass es eine Menge brauchbarer Lösung gibt, die tatsächlich auch in der Praxis greifen. Jetzt heißt es also, die Lehren aus der Coronazeit produktiv zu nutzen – und nicht mehr zurückzuspringen auf den Stand vor der Pandemie.  

Pro Tipp

Einige Schulen haben es geschafft, digitale Formate erfolgreich einzusetzen. Oder sie haben neue Unterrichtsszenarien entwickelt, die Präsenzunterricht zum Teil auch unter strengen Hygiene-Maßnahmen möglich gemacht haben. Es war faszinierend, das zu beobachten. Was zeichnet diese Schulen aus? Es geht um das Vertrauen der Beteiligten in die eigene Handlungsfähigkeit. Wie eigenständig empfindet sich die Schulleitung? Wie sehr können Lehrkräfte gestalten? Davon hängt ab, wie schnell und mutig Veränderung regiert und eben nicht nur verwaltet wirdKreativität, Agilität und Experimentierfreude sind wichtig. Oder ganz grundlegend die Freude am Neuen – und die Erkenntnis, dass man aus Fehlern lernen kann.  

Kritik

Die parallelen Wege zwischen Schule in freier und staatlicher Trägerschaft müssen wir dringend verlassen. Es gibt in beiden Welten Beispiele guter und schlechter Schule. Wir sollten gemeinsam sehen, dass wir intensiv im Austausch Lösungen erarbeiten – von denen beide profitieren. Das ist im neuen Referendariat ein echtes Anliegen. 

Flora Nieß leitet das neue Referendariat an der Akademie Biberkor

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