Positives Selbstbild erzeugen

Warum sind Lehrer oft unbeliebt, woher kommen diese Vorurteile?

Erstens, stimmt das in dieser Pauschalität nicht. Und, zweitens, ist es eher ein Puzzle aus Vorurteilen und Urteilen – meistens solchen, die lange zurückliegen. So, wie wir ein Volk von Bundestrainern sind, weil irgendwie jeder mal in der Nähe eines Fußballplatzes war, sind wir alle Lehrerexperten: Jede und jeder besuchte irgendwann die Schule. Wir alle haben dabei unsere eigenen Erfahrungen mit Lehrerinnen und Lehrern gemacht. Die waren mal besser, mal schlechter. In Erinnerung bleiben oft die schlechten, befürchte ich. Das bedeutet, wir berufen uns eigentlich immer auf ein altes und ein sehr subjektiv gefärbtes Bild von Lehrkräften. Dazu kommt, dass wir alle Mitschüler kennen, die gesagt haben: „Ach, ich weiß nicht, was ich sonst machen soll, ich studiere mal auf Lehramt“. So entsteht ein Bild von Menschen, die eigentlich gar keine Lust auf ihren Beruf haben, aber immerhin mit unseren Kindern arbeiten – was uns das wichtigste ist. Das ist kein Vorurteil, wir kannten diese Leute ja. Nur ist die Verallgemeinerung natürlich falsch. Das ist sogar fatal. Wenn wir dadurch unser Bild bestimmen lassen, dann tun wir so, als wüssten wir ganz genau, worin die Professionalität des Lehrers liegt. Wir tun so, als wären wir die besseren Lehrkräfte – dabei wissen wir oft gar nichts von diesem Beruf. Ich habe Marketingrunden erlebt, in denen wild über Lehrerfiguren spekuliert wurde – ohne jede empirische Basis, ohne Wissen über die modernen Anforderungen an Lehrer. Nur auf Grundlage von schlechten Vorerfahrungen und Klischees wurden da Lehrertypen gemalt, die es wahrscheinlich gar nicht gibt. Fasst man das zusammen, kommen wir zu dem Befund, den ganz viele auch etwa in Befragungen teilen: dass der Beruf des Lehrers oder der Lehrerin nicht die gesellschaftliche Anerkennung hat, die er verdient. Ist das nun die Schuld der Lehrer? Nein, das ist reines Kopfkino von uns Eltern, Bürgern und gefühlten Oberschulräten. Wenn wir uns deutlich machen, dass wir Menschen, von denen wir ein solches Zerrbild haben, unsere Kinder anvertrauen, dann sollten wir das dringend überdenken

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