OrgPad: mit der digitalen Tafel Schüler aktivieren

Digitale Tafel Orgpad aktiviert Schüler
Sieht verwirrend aus, hilft Schülern aber, ihren Wortschatz und Ideen freier auszudrücken: digitale Orgpad-Seite von Petra Bydžovská

Was ist der pädagogische Vorteil von Orgpad?

Lernende lassen sich damit gut aktivieren. Die digitale Tafel Orgpad hat weder eine beschränkende Tabelle, noch ist es ein fertiger Lehrervortrag. Präsentationen konsumieren die Schüler oft nur – und fertig. Sie verstehen scheinbar alles, aber sie sagen nichts und sie machen nichts. Ich benutze Orgpad, um Wortschatz zu überprüfen, eher um ihn wachzurufen. Ich weise den Schülern Bilder oder Aufgaben als Themenfragen zu. Sie können sich auf der digitalen Mindmap eine neue Bubble öffnen und loslegen. Anders als bei anderen virtuellen Tafeln gibt es bei Orgpad keine räumliche Begrenzung und damit auch keine gedankliche. Ich unterrichte Menschen zwischen 15 und 20, die viele Jahre Englisch- oder Deutschunterricht hinter sich haben. Sie sind in der Lage, ganze Sätze zu bilden, um sich auch selbst Fragen zu stellen – und zu beantworten. Die offene Gestaltung von Orgpad regt sie an, freier zu agieren und mehr zu sprechen. Viele toben sich regelrecht aus. 

Welche technischen Voraussetzungen brauche ich für Orgpad?

Ich brauche meinen Kopf und meine Sprache. Jedes unserer Klassenzimmer hat WLan-Anschluss und einen Computer – das brauche ich hoffentlich nicht mehr zu erwähnen. Praktisch ist natürlich auch ein Messenger oder ein virtuelles Klassenzimmer wie MS Teams, um die Links zu teilen. 

Benutzt man Orgpad eher online oder im Klassenzimmer? 

Ich habe es beim Online-Unterricht entdeckt. Auch die tschechischen Schulen waren ja wegen der Pandemie fast sieben Monate lang online. Mit Orgpad haben offene Themenstellungen von Anfang sehr gut geklappt. Die Schülerinnen waren damit sehr zufrieden. Sie haben zum Teil auch zusammen an derselben Aufgabe gearbeitet. Sie können Orgpages aber als Schablone auch so zuteilen, dass jeder in seiner eigenen Mindmap-Seite für sich alleine arbeitet. Kurz: ich benutze heute Orgpad auch im Klassenzimmer mit allen Altersstufen.

Pro Tipp:

Ich mag die digitale Tafel Orgpad im normalen Unterricht, weil sie versteckte Schüler sichtbar macht, die sonst nicht sprechen. Eine Übung war etwa, den Englisch-Wortschatz im Zusammenhang mit Verbrechen zu testen. Die Schüler sollten alle Worte zusammentragen, die ihnen dazu einfallen. Das ist eine typische offene Aufgabe, für die Orgpad besonders geeignet ist. Jeder arbeitet dann nach seinen Möglichkeiten. Beim Thema Jobs and work (siehe Bild) schreibt der eine nur Berufe auf, die anderen gehen ins Detail. Wenn man einmal das strikt durchstrukturierte deutsche Lernmaterial erlebt hat, kann man hier erkennen, wie viel Spaß es Schülern macht, mal ins Wilde zu gehen. Sie können alle möglichen Formate in die Präsentation einbauen, Bilder oder Memes. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Schüler dieses einfach zu bedienende Mindmap vor komplexeren Tools wie Prezi oder PowerPoint bevorzugen. 

Kritik

Der einzige Nachteil im vergangenen Jahr war, dass man es bezahlen muss – allerdings fanden meine Schüler eine Möglichkeit, wie man es trotzdem gratis mit mehr Platz benutzen kann. Ich darf aber nicht öffentlich erklären, wie das funktioniert.

Petra Bydžovská ist Lehrerin für Deutsch und Englisch an der VOŠ, SPŠ automobilní a technická (der Berufschule für Fahrzeugtechnik und technische Berufe) in Budweis, Tschechien. OrgPad wird auch an deutschen Schulen genutzt und bietet ab sofort eine ukrainische Übersetzung für Geflüchtete.

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