Instagram im Unterricht: Potenzial für die Schule

Instagram gehört heute für viele in den Unterricht, weil es „nah an der Zeit“ und damit nah an den Schülerinnen und Schülern ist. Gut 60 Prozent der 14- bis 15-Jährigen nutzenI Instagram regelmäßig, so die Ergebnisse einer aktuellen Bitkom-Studie. Bei den 16- bis 18-Jährigen sind es sogar 84 Prozent. Soziale Medien sind aus dem Leben junger Menschen nicht mehr wegzudenken. Umso sinnvoller, wenn nicht gar notwendiger ist es, dass Schulen dies berücksichtigen und in ihre Curricula aufnehmen. 

Recherche, Kunst-Projekte und Wissenserweiterung – Instagram im Unterricht 

Die Einsatzmöglichkeiten von Instagram im Bildungsbereich sind vielfältig. Bildungskanäle gibt es auf Instagram zuhauf, wie zum Beispiel den Wissenschaftsaccount Quarks vom WDR, erklärmirmal, ein Glossar aus (post-) migrantischer und queerer Perspektive zu verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen, oder saymyname_bpb, ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung, das sich für Repräsentation und Empowerment einsetzt. Ebenfalls gut im Unterricht nutzbar sind journalistische Instagram-Accounts, die aufgrund ihres digitalen Formats mit stetiger Aktualität überzeugen. Gerade in Fächern wie Politik oder Wirtschaft, deren Inhalte in besonderem Maße Wandel unterliegen, werden Medien gebraucht, die mit diesem mitgehen. Instagram tut das – und eignet sich als Unterrichtsmaterial für Rechercheaufgaben.  

Die Plattform bietet einen niedrigschwelligen Zugang zu Projekten, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Geschehnissen auseinandersetzen und somit Relevanz für den Bildungssektor besitzen. Auch Schülerinnen und Schüler selbst wissen das zu schätzen. In der Bitkom-Studie gaben 64 Prozent der Befragten an, ihr Wissen online erweitert zu haben. Ein Viertel der Jugendlichen sagte sogar aus, dass sich dadurch Leistungen in Schule und Ausbildung verbessert hätten. Neben dem Einsatz von Instagram als Weiterbildungs- und Recherche-Tool bietet sich aber auch die Nutzung der Plattform selbst an, zum Beispiel für Fotografie- oder Film-Projekte. Der Lehrer und Bildungs-Influencer Bob Blume lobt das Potenzial, das Instagram im Unterricht zu Literatur hat. Als Unterrichtsidee schlägt er vor, auf Instagram Accounts für Buchcharaktere zu erstellen und so eine besondere Annäherung an gelesene Werke zu schaffen. 

Datenschutz und Fake-News – Instagram muss kritisch betrachtet werden 

Trotz der genannten Vorzüge muss Instagram differenziert betrachtet werden. Datenschutz und Privatsphäre sind nur zwei der Themen, die die Plattform nicht mit ausreichend Transparenz kommuniziert. Umso relevanter ist es, gerade für jüngere Schülerinnen und Schüler, dass diese Themen dort diskutiert werden, wo sie aufs Leben vorbereitet werden sollen – in der Schule.  Instagram und Datenschutz ist ein Thema, das in den Bundesländern sehr unterschiedlich geregelt wird. Lehrer müssen sich vor der Nutzung im Unterricht darüber informieren. 

Ebenfalls wichtig ist der Umgang mit dem Thema Fake News. Wie lassen sie sich erkennen? Was sind die damit verbundenen Gefahren? Wie können Schülerinnen und Schüler seriöse Quellen recherchieren? „Wissen ist mehr als Information“, schreibt der Philologe Cord Santelmann in seiner Veröffentlichung Chancen und Gefahren sozialer Netzwerke im Unterricht. „Wissen ist die Bewertung von Information, die Zuordnung von Bedeutung zu Informationen. Um etwas zu wissen, muss man Fragen beantworten können wie: Welche Information ist richtig, welche falsch?“ Diese Aneignung von Wissen geschieht heute verstärkt im digitalen Raum und so auch über Soziale Medien wie Instagram. Diese Kompetenz müssen Schulen vermitteln – und können Instagram im Unterricht dafür als Medium einsetzen. 

Für Instagram im Unterricht muss erst Netiquette her 

Was für Instagram auch in den Unterricht gehört: der Umgang mit- und untereinander im digitalen Raum. 45 Prozent der Kinder und Jugendlichen machten bereits negative Erfahrungen im Internet. Wie damit souverän umgegangen werden kann, sollten Lehrerinnen und Lehrer ebenso in den Unterricht einbinden, wie den verantwortungsbewussten Umgang mit den eigenen Daten. 

Ein positives Beispiel für die Nutzung von Instagram im Unterricht ist der Account thebloggingproject. Er gehört der ehemaligen neunten Klasse eines Lichtenfelser Gymnasiums und ihrer Lehrerin Franziska Stadter. Stadter beschloss 2019 den Umgang mit Medien praxisorientiert zu unterrichten und sich dabei auf Medien zu konzentrieren, die Jugendliche tatsächlich nutzen. In Kleingruppen durften die Schülerinnen und Schüler zu selbst gewählten Themen Postings verfassen, Captions schreiben und Hashtags setzen. Stadters Ziel dabei: Den Umgang mit Instagram am Netzwerk selbst lehren. 

Soziale Medien im Unterricht sind unumgänglich 

Fest steht: Der Einsatz multimedialer Hilfsmittel im Unterricht ist nicht neu. Im Zeitalter der digitalen Transformation weichen Over-Head-Projektor und VHS-Rekorder zeitgemäßeren Alternativen. Die Süddeutsche Zeitung schrieb schon 2017: „Soziale Netzwerke lassen sich in allen möglichen Fächern integrieren. Das kann im Deutschunterricht aus sprachlicher, im Wirtschaftsunterricht aus rechtlicher oder im Religions- und Ethikunterricht aus moralischer Perspektive geschehen. Es muss gewiss um Cybermobbing oder Sexting gehen, aber auch ums Urheberrecht. Damit dürfen Schulen Kinder nicht alleine lassen.“ Es geht in der heutigen Zeit nicht mehr um die Frage, ob sondern wie Lehrerinnen und Lehrer Soziale Medien, wie zum Beispiel Instagram, in den Unterricht einbinden können. Schulen müssen aufs Leben vorbereiten und haben dabei die Verantwortung, alle Facetten mit einzubeziehen. Und Instagram ist eine dieser Facetten.

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