Das datensichere Klassenzimmer

Was bringt ein digitales Klassenzimmer aus Tools, die der DSGVO entsprechen?

Dass der Klassenraum nicht mehr aus gläsernen Wänden besteht, hinter denen Lernende durchsichtig und ungeschützt sind. Die wenigsten SchülerInnen oder auch Lehrkräfte wissen, was mit ihren eigenen Daten im Internet alles passiert. Lehrkräfte haben aber die nicht ganz leichte Aufgabe, die Lerndaten ihrer Lernenden zu schützen. Sonst könnte jeder alles von außen mitlesen. Deswegen war es unser Ziel, ein DSGVO-konformes digitales Klassenzimmer zu schaffen, das gewissermaßen weiter Wände aus Stein hat. Es erzeugt eine Lernatmosphäre für die Lernenden, die Sicherheit schafft – und zugleich privat bleibt. Es vermittelt Lernenden ein sicheres Gefühl. Jede Lehrkraft weiß, wie wichtig das ist. 

Welche technischen Voraussetzungen hat das datensichere Klassenzimmer?

Wie immer braucht man ein digitales Endgerät und Internetzugänge. Bei einigen der Tools benötigen die Schüler:innen auch noch eine E-Mail-Adresse, um sich anzumelden und zu registrieren. Also zum Beispiel beim Video-Klassenraum BigBlueButton, bei der Tafel Collaboard, bei den Schließfächern von Nextcloud oder bei dem Pinnwandtool TaskCard, was in diesem Konstrukt als Heft dient. Aber es gibt auch die Tools von Kits, die ebenfalls als digitales Heft dienen oder den Methodenkoffer von Oncoo. Da braucht man nicht mal eine E-Mail-Adresse. Und weiterführen kann man das, indem man Mahara als Klassenarbeitsheft oder Moodle als Schulbuch und Arbeitsblattersatz hinzunimmt. 

Ist der datensichere Klassenraum für die Präsenz oder für den Distanzunterricht nutzbar?

An sich ist das digitale Klassenzimmer mit DSGVO-konformen Tools erst mal für den Fernunterricht ausgelegt. Das Ziel ist aber, die beiden langfristig zu verschmelzen, um nicht mehr zwei scharf getrennte Sphären zu haben: einmal hier den Präsenzunterricht und da den Fernunterricht, sondern eine Kombination aus beidem. Das Ziel sollte wirklich nicht sein, dass man den Präsenzunterricht 1:1 in die digitale Lehre überträgt, sondern dass man innovativ neu und besser mit digitalen Tools denkt. Das schafft eine bessere Lehre. Auch eine Übertragung in die Präsenzlehre ist erstrebenswert, so dass man am Ende eine Verschmelzung und Neuausrichtung des didaktischen Prozesses hat. 

Pro-Tipp:

Das Schöne an dem Konstrukt verschiedener sicherer Lern-Tools ist, dass man es so leicht weiterspinnen kann. In der Twitter-Community kamen noch einige andere Anwendungen und Aspekte des digitalen Klassenzimmers hinzu. Am Ende konnte man dann sehen, wie groß das Spektrum an DSGVO-konformen Tools inzwischen ist. Viele bieten Datensicherheit, sind aber oftmals aufgrund fehlender Werbung noch nicht so bekannt. Das datensichere digitale Klassenzimmer soll die Sicherheit bieten, nicht immer auf die gläsernen Tools zurückgreifen zu müssen.

Kritik: 

Datenschutzrechtlich gibt es, glaube ich, keine Kritik an dem datensicheren Klassenzimmer. Aber  möglicherweise stört man sich an den Kosten. Bei den nicht datenschutzkonformen Varianten, die meistens umsonst oder günstig sind, zahlt man halt mit seinen Daten statt mit Geld. Man sollte sich bewusst machen, dass das am Ende zum Hacking der Privatsphäre der Schüler:innen oder im schlimmsten Fall sogar zum Identitätsdiebstahl führen kann. Wenn man sich die Konsequenzen vergegenwärtigt, bezahlt man das Geld eigentlich wieder ganz gerne. Aber man kann die Kosten auch vermeiden, indem man einfach bei der Schulleitung beantragt, dass die Tools von der Schule angeschafft werden. 

Anna Ansari ist studentische Mitarbeiterin für Mediendidaktik an der Zentralen Einrichtung für Sprachen und Schlüsselqualifikationen der Universität Göttingen. Sie hat in einem Blogpost das DSGVO-konforme Klassenzimmer vorgestellt.

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