Entfesselt die Lehrkräfte!

Man sieht Andreas Schleicher an einen Türrahmen gelehnt: Er spricht sich für mehr Flexibilität von Schulplänen aus.

Stellen wir uns vor, wir möchten kreative Spitzenköche ausbilden. Müssten sie lernen, vorgebratene Hamburger aufzuwärmen? Genau das machen deutsche Lehrkräfte allzu oft: Sie wärmen alte Lehrmethoden und -inhalte auf. Das spiegelt sich dann in den PISA-Resultaten wider, wo deutsche Schüler zeigen, dass sie vorgefertigtes Wissen gut reproduzieren können – aber meist Schwierigkeiten haben, dieses Wissen kreativ in neuen Zusammenhängen anzuwenden. Produktiver Unterricht braucht Lehrkräfte, die Eigenverantwortung für ihre Schulklasse haben. Denn man kann kaum mehr von ihnen verlangen, als sie selbst von sich verlangen. Doch die Strukturen sind hierzulande nicht dafür gemacht.

Vor einigen Jahren haben wir untersucht, wie das niederländische Bildungsministerium Fachstandards entwickelte, die von den Lehrkräften selbst ausgingen. Anfangs wurde in der Regierung die Sorge geäußert, dass die notwendigen strengen Maßstäbe verloren gehen könnten und Berufsstandards auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners festgelegt würden, wenn diese Aufgabe der Lehrerschaft überlassen werde. Das Gegenteil war jedoch der Fall. Wahrscheinlich wäre keine Regierung der Niederlande jemals in der Lage gewesen, so anspruchsvolle Standards für den Beruf festzulegen, wie die Lehrerschaft dies selbst getan hatte. Letztendlich haben Lehrkräfte, ebenso wie andere Fachkräfte, ein Interesse daran, die Standards und das Ansehen ihres Berufs zu sichern. 

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