„Der Digitalpakt ist eine Frage der Führungskultur“

Soyk: Digitalpakt ist eine Frage der Führungskultur.
Automatisiert Ausschreibungen: Sascha Soyk

Herr Soyk, die Ampelkoalition wird den Digitalpakt Schule zu einer Dauereinrichtung machen. Reicht das, um ihn endlich richtig zum Laufen zu bringen?

Die Herausforderung des Digitalpakts ist nicht, ob genug Geld da ist oder nicht. Nach aktuellem Stand hat Bildungsministerin Anja Karliczek 6,5 Milliarden Euro von oben ins System digitale Schule gekippt – aber abgeflossen sind bundesweit nur rund 15 Prozent. Wenn man die Sachaufwandsträger fragt, „hätten Sie gerne weitere sechseinhalb Milliarden obenauf?“, dann würde man vermutlich hören: Mehr von demselben hilft uns nicht. Meines Erachtens fehlen die Kapazitäten und die Expertise in den Behörden, um digitales Equipment sinnvoll auszuschreiben – und die Schulen schnell auszurüsten.

Träumen Sie doch mal: Was wäre die optimale Lösung, um den Digitalpakt zu entfesseln? 

Also Methode „I have a dream“: es muss ein Umdenken stattfinden. Es geht in meinen Augen nicht darum, das Vergaberecht zu ändern, sondern wir stehen eher vor einer kulturellen Herausforderung. Wir sollten die Leute dazu ermächtigen, mal ins Risiko zu gehen. Ich meine das, was man „einfach mal machen“ nennt. Der Digitalpakt ist eine Frage der Führungskultur. Die Führung der Häuser muss den Mitarbeiter:innen den Rücken freihalten. Es sollte nicht immer die 110-prozentige Lösung mit Goldrand gesucht werden, die 28 Mal abgesichert ist. Es geht bei der Digitalisierung der Schulen ja erfahrungsgemäß nicht um Leben und Tod. Man kann also auch mal Fehler machen. Es war gerade nicht das Erfolgsmodell, jahrelang herumzusitzen und abzuwarten. In der Coronakrise haben diejenigen die Schulen bewegt, die losgelegt haben.

Könnte vielleicht eine Frau wie Klara Geywitz als Verwaltungsreformerin den Knoten des Digitalpakts lösen?

Wenn sie es – wie zum Beispiel Katrin Suder damals im Verteidigungsministerium – hinbekommt, die Führungskultur zu ändern, wäre das ein großer Fortschritt. Suder hat die Führungsebene motiviert – und gleichzeitig Druck gemacht, Dinge neu zu denken. Wenn Klara Geywitz so eine Visionärin ist, dann kann das auf jeden Fall helfen. Wenn sie allerdings schon zu lange im System Verwaltung unterwegs ist, dann würde ich hart hinterfragen, dass sich etwas ändert. Wer über mehrere Jahre im Apparat sitzt, der wird vom System assimiliert – und ändert nichts Grundsätzliches mehr. Was wir brauchen ist echtes Risikomanagement. Das würde ich mir von Klara Geywitz wünschen. Dass sie im Moment beim Rechnungshof arbeitet, ist in meinen Augen für eine durchschlagende Verwaltungsreform kein großer Vorteil. 

Sascha Soyk ist Betriebswirt und hat bei Roland Berger, der Bundeswehr und Palantir gearbeitet. Er hat danach das Check24 für Schulträger gegründet, das GovRadar heißt. Das Startup automatisiert die nach Vergaberecht nötigen Ausschreibungen beim Beschaffen digitaler Tools.

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