Hybrider Unterricht: Chance für neurodiverse Lernende

Anton Tartz ist 21 Jahre alt und hat Legasthenie. Bereits in der sechsten Klasse nutzte er Laptop und ab der achten Klasse Diktier- und Vorlesesoftware als Unterstützung beim Lernen. Sein Abitur hätte Tartz nicht per Hand schreiben können. Er musste einer anderen Person den Text diktieren und sich immer wieder vorlesen lassen, was bisher geschrieben wurde. Mit hybriden Anwendungsmöglichkeiten und flexibleren Prüfungsleistungen hätte er die Abschlussarbeit mit weniger Aufwand schreiben können, sagt er heute im Rückblick.

Hybridität als Alternative zur analogen Präsenz ist für ihn und viele andere Lernende des neurodiversen Spektrums eine gute Möglichkeit, das Lernen an die eigenen Bedürfnisse anzupassen – wenn es sinnvoll ein- und umgesetzt wird. „Der Zugang zu technischen Hilfsmitteln ist aber ein großes Problem“, sagt Tartz, der heute in Berlin Geschichte, Sozial- und Kulturanthropologie studiert. Gute Softwares kosten Geld. Die Diktiersoftware Dragon beispielsweise kostet 199 Euro. Die Vorlesesoftware Voice Reader Linguatec 49 Euro. Für vermeintlich kostenlose Anbieter zahle man mit persönlichen Daten. Im Studium nutzt er ein Skript, das ihm sein Bruder extra geschrieben hat.

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