Digitale Bildungsanbieter: Stehen für Omicron-Notlage bereit

Digitale Bildungsanbieter Distanzunterricht
Digitale Bildungsanbieter koordinieren sich

Die digitalen Bildungsanbieter haben Bildung.Table signalisiert, sich an einer Versorgung der Schüler mit Lernmaterialien im Distanzunterricht zu beteiligen. Auch kurzfristig stünden Kapazitäten bereit, um Lehrer und Schüler im Falle einer Schulschließung zu verbinden. In der begründeten Hoffnung, „dass Schulen im Neuen Jahr nicht auf vollständigen Distanzunterricht schalten müssen, wäre unsere Antwort auf Ressourcen für Distanzunterricht. ‚Prinzipiell ja‚ – und wie immer ‚liegt der Teufel im Detail‚“, sagte der CEO von Bettermarks, Arndt Kwiatkowski. 

Stephan Bayer: „Omicron besorgt uns alle“

„Omicron besorgt uns alle“, sagte Stephan Bayer von Sofatutor. „Wenn Schulen in den Distanzunterricht wechseln, braucht es kurzfristig digitale Tools, um die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schüler:innen zu ermöglichen.“ Sofatutor sei dafür bereit und ausgerüstet. „Als Plattform sind wir darauf vorbereitet, aber die Kurzfristigkeit wird trotzdem für alle Beteiligten sehr anstrengend„, sagte Max Maendler von Eduki. Ähnlich äußerten sich Simpleclub, Scobees, Studienkreis-Online und Codary. 

Die Omicron-Variante des Corona-Virus bedroht möglicherweise schon bald den Präsenzunterricht in den Bundesländern. Eine Forscherin der KMK wies gerade die Kultusminister darauf hin, dass sie sich auf mögliche Schulschließungen vorbereiten sollten. (Siehe dazu Analyse und Blogpost in dieser Ausgabe). Bislang teilten Kultusminister unisono mit, sie wollten einen Lockdown der Schulen um jeden Preis verhindern. Die Kultusminister wollen sich noch im alten Jahr wegen Omicron zusammenschalten, erfuhr Bildung.Table aus Kreisen der KMK. 

Bildungsanbieter können kurzfristig unterstützen

Als digitale Bildungsanbieter ist genau das unsere Rolle – kurzfristig umzusetzenden Distanzunterricht zu unterstützen„, sagte Alex Giesecke von Simpleclub. „Konkret hat Simpleclub seit Beginn der Corona-Pandemie die App darauf optimiert, im Falle von nötigen Schulschließungen den Distanzunterricht zu unterstützen und möglich zu machen.“ Simpleclub  stellt die Inhalte in 14 Schulfächern von der fünften bis zur 13. Klasse bereit – für jedes Bundesland. Giesecke mahnte aber auch, „wir brauchen schnell eine flächendeckende und inklusive Lösung, die Distanzunterricht unabhängig von der Unterstützung durch das Elternhaus ermöglicht.“

„Sollte Omicron die Schulen erneut in großem Umfang zu Schließungen und Distanzunterricht zwingen, bietet der Studienkreis mit all seinen Ressourcen Hilfe an„, sagte, Tobias Lampe. Er leitet die Studienkreis Online-Nachhilfe. 10.000 Nachhilfe-Lehrerinnen und -lehrer mit Erfahrung im Online-Unterrichten stünden bereit. „Es ist jetzt wichtig, gerade die Kinder und Jugendlichen aus bildungsfernen und sozial schwächeren Familien nicht hängenzulassen, die unter den schulischen Auswirkungen der Pandemie am meisten gelitten haben.“ 

Lena Spak: Distanzunterricht geht anders, als nur Videokonferenzen abzuhalten

„Sollte es wirklich wieder zum Distanzunterricht kommen, ist es wichtig, dass Schüler und Schülerinnen nicht allein gelassen werden„, so Lena Spak von Scobees. Das ist ein neuartiges Lernmanagementsystem (LMS), das bislang von 1.000 Schulen getestet wurde. Durch die Arbeit mit dem LMS blieben Schüler und Schülerinnen mit ihren Lehrkräften im Austausch. „Entscheidend ist zu verstehen, dass Distanzunterricht nicht genauso ablaufen kann wie Präsenzunterricht – also Videokonferenz an und gut ist.“ Scobees sei in der Lage, Schulen sofort zu onboarden. Innerhalb von einer Woche könne ein Kollegium fit gemacht werden für das LMS Scobees. 

Stephan Bayer sagte, Sofatutor habe während der bisherigen Lockdows zehntausenden Lehrkräften freien Zugang gewährt. „Seitdem bauen wir das Angebot kontinuierlich aus, um auch jetzt wieder Lehrkräften in ganz Deutschland mit einer Vielzahl von Lerninhalten für alle Fächer und Klassenstufen, schnellen Anmeldeoptionen und stabilen Servern verlässlich zur Seite zu stehen.“ Der Anmeldeprozess sei unbürokratisch, weil kostenfrei, ohne lange Diskussionen oder Anträge. „Wir hoffen, damit der Politik nochmal ganz klar zeigen zu können, wie intensiv wir bereits in der Schule eingesetzt werden und dass unter der neuen Regierung auch die Inhalteanbieter endlich mit Förderfähigkeiten bedacht werden, wie es schon lange für Schulbücher der Fall ist.“ 

Arndt Kwiatkowski: Onboarden von Lehrern und Schulen „lässt sich nicht beliebig parallelisieren“

Arndt Kwiatkowski von Bettermarks, das Mathematik für die Klassen vier bis zwölf in allen Bundesländern abbilden kann, sagte: Das Onboarden von Lehrkräften und ihren Klassen lasse sich nicht beliebig parallelisieren. Bei vorhandenen Indentitätsmanagern oder Lernmanagementsystemen der jeweiligen Bundesländer gehe das allerdings problemlos. „Es gibt das Angebot von Online-Seminaren für Lehrkräfte“, so der Bettermarks-Gründer. „Wir haben Reserven für eine starke Ausweitung der Nutzung vorgesehen – aber nicht beliebig.“ 

„Es ist Teil unserer DNA, Schüler:innen ergänzend zum (Distanz-)Unterricht zu unterstützen“, sagte Fredrik Harkort von Cleverly. „Wir sind jederzeit und vor allem auch kurzfristig bereit, Nachhilfe durch mehr Stundenkapazitäten bereitzustellen sowie im Zuge unseres Mentoring-Angebots bei fachübergreifenden Themen wie dem Lernen lernen zu unterstützen.“ Harkort spricht für 60 digitale Bildungsanbieter, die sich im Falle einer Notlage ihre Hilfe für Distanzunterricht anböten.

Antonia Schein von Codary sagte auf Anfrage: „Um Schulen und Lehrer im Distanz-Unterricht zu unterstützen, stellen wir gerne einen vierwöchigen, digitalen Programmierkurs sowie das Onboarding für Lehrer für unsere Lernplattform &-App gratis zur Verfügung.“ cif

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