Der Gamechanger für digitale Lernmittel

Man sieht einen Ausschnitt der Schulbuchzulassung in Bayern aus dem Jahr 2001: De Mazière will digitale Lernmittel
Schulbuchzulassung in Bayern, anno 2021: Arbeitsblätter müssen genehmigt werden. (Foto: Bayerische Staatskanzlei, Screenshot)

Es sind Sätze wie in Stein gehauen. „Das Monopol staatlicher Zulassung von Lehrmitteln und Bildungsinhalten ist gefallen“, sagt Thomas de Maizière, der Vorsitzende der Telekom-Stiftung und frühere Innen-, Finanz- und Verteidigungsminister. „Dieses Monopol lässt sich nicht auf den Umgang mit digital verfügbaren Lehr- und Lernangeboten übertragen.“

Was so lapidar einerseits und andererseits so selbstverständlich klingt, ist in Wahrheit die Umwertung aller Werte im Bildungssystem. Man darf nicht vergessen: noch immer steht etwa in einem Erlass des bayerischen Kultusministeriums: „Für bestimmte Lernmittel besteht eine Zulassungspflicht“, heißt es da. „Zulassungspflichtig sind Schulbücher, Atlanten, Formelsammlungen, Gedichtsammlungen, sowie von Verlagen hergestellte Arbeitshefte und Arbeitsblätter.“ Kurz: kein Arbeitsblatt ohne schulamtlichen Prüfstempel. Das ist nicht mehr in allen Bundesländern so, aber es ist die Regel. 

„Die Bildungsverwaltungen werden das akzeptieren müssen“

De Maizière weiß also, dass er mit seinen Sätzen eine Kulturrevolution anzettelt. Aber es geht nicht anders, sagt er, sonst „wird das nie was. Die Bildungsverwaltungen werden das akzeptieren müssen. Es kann nicht mehr so organisiert werden wie bisher, dass die Kultusministerien bestimmte Inhalte zulassen – und stillschweigend signalisieren: wenn ihr andere nehmt, gucken wir weg. Es muss künftig so sein: Ihr dürft alles verwenden, was ihr für geeignet haltet – es sei denn, wir verbieten es.“ 

Was de Maizière sagt, wäre erstens sehr hilfreich für die digitalen Bildungsanbieter. Weil sie sehr oft nicht in den Kreislauf der Lernmittel-Beschaffung eintreten können. Und, zweitens steht das, was der Telekom-Stiftungs-Chef im Interview mit Bildung.Table sagt, im krassen Widerspruch zu den Vorschlägen der sogenannten Ständigen wissenschaftlichen Kommission der Kultusminister-Konferenz. „Die Bereitstellung von lizenzierter digitaler Lernsoftware und von digitalen Werkzeugen auf staatliche Lernplattformen erfordert außerdem Zertifizierungsverfahren.“ 

„Dann enden wir in einer endlosen Bürokratie“

Dagegen wendet sich de Maizière. „Dann enden wir in einer endlosen Bürokratie. Es sollte in Zukunft gerade nicht so sein, dass ein Land prüft, ob es einen digitalen Bildungsinhalt oder ein Arbeitsblatt-Anbieter zulässt.“ Es müsse gelten: „Alles ist erlaubt – außer es wird verboten. Das wäre die völlige Umstellung des Systems.“ Lesen Sie hier das ganze Interview mit Thomas de Maizière.

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