Bürger wissen wenig über Formate des Distanzunterrichts

Man sieht eine Grafik der Civey: Bürger-Umfrage zum Thema Methoden im Distanzunterricht
Ost-West-Spaltung: Bürger im Westen kennen mehrheitlich Video-Konferenzen, im Osten Emails mit PDF – oder „nichts davon“

Digitaler Fernunterricht ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. In einer repräsentativen Umfrage durch die Meinungsforscher von Civey gaben 34 Prozent der Befragten an, Distanzunterricht nicht beurteilen zu können. Unter den Befragten mit oder ohne Hauptschulabschluss sind es gar 56 Prozent. Die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag von Bildung.Table erhoben, die 5002 Bürger:innen repräsentativ um ihre Meinung bat. 

Civey: Bürger-Umfrage zum Thema Distanzunterricht
56 Prozent der Bürger:innen mit Hauptschulabschluss können mit Formaten des Distanzunterrichts nichts anfangen

Das Ergebnis ist deswegen so beunruhigend, weil Lernen auf Distanz möglicherweise bald wieder nötig ist. Vielerorts müssen Schulen bereits schließen. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, hat in ihrem Bundesland Brandenburg sogar die Präsenzpflicht im Unterricht ausgesetzt. Als Bedingung für neuerliche Schulschließungen ist allerdings funktionierender Distanzunterricht nicht nur zwingend nötig – Karlsruhe verordnete der Politik, ihn auch gut vorzubereiten.

Civey: Ein Drittel kennt sich nicht mit Distanzformaten aus

Das Verfassungsgericht hatte in einem neuen Urteil die Länder dazu verpflichtet, „naheliegende Vorkehrungen wie insbesondere eine weitere Digitalisierung des Schulbetriebs“ zu ergreifen. Schulschließungen seien überhaupt nur dann zulässig, wenn es einen möglichst guten Distanzunterricht als Ersatz gebe. (Siehe Analyse Kultusminister.) Die Civey-Umfrage belegt, dass den Schulministern bisher nicht gelungen ist, ihre Alternativen zum Klassenzimmer à la Feuerzangenbowle auch nur bekannt zu machen. 

Die bekanntesten Formen von Distanzunterricht sind laut Umfrage die „Schulstunde als Videokonferenz„, die die Hälfte der Bürger kennt. Das Versenden von Arbeitsblättern in PDF-Form per E-Mail ist vier von zehn Bundesdeutschen ein Begriff. Auf Platz drei kommen dann mit 34 Prozent bereits diejenigen, die sich mit dem Thema nicht auskennen. Ein Fünftel der Befragten kennt das Versenden von Arbeitsblättern durch die Lehrer per gelber Post. Immerhin 23 Prozent haben schon mal etwas von Schüler-Lehrer-Austausch per Messenger gehört. Aber nur 14 Prozent wissen von Lernmanagementsystemen (LMS). Das ist das zentrale Instrument für den Distanzunterricht, weil Schüler und Lehrer dabei Nachrichten und Dokumente austauschen können und oft sogar Videokonferenzen innerhalb des LMS möglich sind. 

Wissen über digitale Bildung teilt das Land

Civey: Bürger-Umfrage zum Thema Distanzunterricht
Ein Fünftel weiß von Lernlieferungen mit der gelben Post

Die Umfrage durch Civey zeigt erneut, wie sehr das Land in Sachen digitaler Bildung in Ost und West geteilt ist. In westlichen Bundesländern und Berlin gibt über die Hälfte der Befragten an, dass sie die „Schulstunde per Videokonferenz“ kennen (außer im Saarland). Im Osten der Republik sind diese Werte deutlich niedriger – um zehn Prozentpunkte. In zwei Bundesländern ist das bekannteste Format die Lehrer-E-Mail mit einem PDF-Arbeitsblatt. In Sachsen-Anhalt ist es sogar die Mehrheit der Bürger, die sich mit diesen Formaten gar nicht auskennt. Allerdings gibt es hier eine statistische Fehlermöglichkeit von 4,4 Prozent. 

Civey: Bürger-Umfrage zum Thema Distanzunterricht
Eltern wissen Bescheid: Sieben von zehn kennen die Schulstunde als Videokonferenz

In Familien mit Kindern ist das Bild erwartungsgemäß ein ganz anderes. Hier kennen sieben von zehn Eltern die Videokonferenz als Schulstunde, 65 Prozent haben für ihre Kinder bereits Aufgaben per E-Mail bekommen. Vier von zehn Befragten mit Kindern haben schon das Telefonat per Video Call erlebt. Gleichauf mit über einem Viertel der positiven Antworten liegen der Austausch per Messenger (28 Prozent), das Arbeitsblatt per gelber Post (27 Prozent) und das normale Telefonat mit dem Lehrer (26 Prozent). 

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