Baden-Württemberg sucht die Schulcloud

Ende vergangener Woche ging die Irrfahrt der Susanne Eisenmann zu Ende. Eisenmanns Nachfolgerin als Kultusministerin, Theresa Schopper (Grüne), verkündete, dass sie das Unternehmen Microsoft aus Redmond (USA) nicht an den Schulen Baden-Württembergs zum Zuge kommen lassen wird. Wovor viele Experten gewarnt hatten, ist nun also auch in der Regierung des reichen Landes im Südwesten angekommen: wenn der Europäische Gerichtshof feststellt, dass die Server US-amerikanischer Unternehmen grundsätzlich nicht sicher sind, dann gilt das auch im Ländle. Die große Frage, die sich nun stellt: Entdecken Schuladministration, Wirtschaftsverbände und Politiker aus Baden-Württemberg die Anbieter aus dem eigenen Bundesland? Sicher ist das nicht. 

Parteinahme für Microsoft im Süden

Microsoft hatte den Negativ-Bescheid aus dem Stuttgarter Bildungsministerium noch gar nicht bekommen, da baute sich bereits eine Lobby-Welle auf. Der Konzern, der seinen Wert zwischen 2019 und 2021 von 900 Milliarden auf 1,9 Billionen Dollar steigerte, wusste schon immer, wie man wankelmütige Europäer dazu bringt, doch wieder Microsoftware einzukaufen. Eine Bloggerin wollte in einem Videosystem, das Microsoft in Bayern ersetzen soll, angeblich eine schwere Sicherheitslücke entdeckt haben – und kritisierte einen „antiamerikanischen Populismus“ gegen große Monopolisten (Bildung.Table berichtete). Der Vorsitzende des deutschen Lehrerverbandes verkündete, dass man auf die Software zurückgreifen soll, die an 6.000 Schulen vertreten sei – die von Microsoft. Niemand weiß, woher Heinz-Peter Meidinger diese Information hat; nicht mal Microsoft Deutschland macht darüber Angaben. Sicher ist aber, dass fast alle 25.000 Schulen in Deutschland (die keine Grundschulen sind) inzwischen an ein Lernmanagementsystem oder eine Schulcloud angeschlossen sind. Der Marktführer mit verifizierbaren Zahlen an Schulanschlüssen heißt dort „Moodle“/“Mebis“ mit rund 15.000 Schulen, der Mittelständler „IServ“ aus Niedersachsen und die norwegische Lösung „itslearning“. 

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